Stellungnahme RAL Gütegemeinschaft – Mikroplastik in Kunstrasen


Das Einstreugranulat von Kunstrasenplätzen ist in den letzten Wochen aufgrund der Problematik um Mikroplastik vermehrt in der Diskussion und in vielen Presseberichten werden Kunstrasen als wesentlicher Verursacher von Mikroplastik in der Umwelt identifiziert. Dies ist insbesondere auf eine vom Fraunhofer Institut Umsicht in Oberhausen veröffentlichte Studie zum Aufkommen von Mikroplastik in Deutschland und durch die von der ECHA im März dieses Jahres in Umlauf gebrachte Befragung zu einem Verbot von vorsätzlichem Eintrag von Mikroplastik in die Umwelt im Rahmen der Plastikstrategie der EU zurückzuführen.

Wir als RAL Gütegemeinschaft Kunststoffrasen und Kunststoffbeläge wollen uns in unserer Gegendarstellung auf die Fakten, insbesondere im Hinblick auf die in Deutschland verbauten Systeme und die Mengen an Gummigranulat, die in diesen Rasen verbaut werden beschränken. Wir widersprechen ganz ausdrücklich den von Fraunhofer in Umlauf gebrachten Zahlen, die so auf Deutschland nicht zutreffen.

Die Studie spricht von einer Austragsmenge von Mikroplastik aus Kunstrasen durch Verwehungen von ca. 130 g/Kopf und Jahr in der Bundesrepublik Deutschland. Geht man von circa 3.500 Großspielfeldern mit Kunstrasenplätzen in Deutschland aus, die mit Sand und Gummigranulat befüllt sind, so ergäbe sich eine jährliche Verlustmenge von ca. vier Tonnen pro Jahr und Kunstrasenplatz. Diese Verlustmenge ist absolut unrealistisch und nicht zutreffend.

In Deutschland wird begleitet durch die RAL Gütegemeinschaft bei weit über 95% der öffentlichen und privaten Bauvorhaben von Kunstrasen eine Bauweise mit elastischer Schicht installiert, in die nur ein Bruchteil (ca. 30%) der von Fraunhofer angenommenen Menge Gummigranulat, verfüllt wird. Analysiert man die Angaben und Informationen des Marktes, der Städte und Gemeinden und der Sportvereine, dann wird nur in seltenen Fällen und wenn nur sehr wenig Gummigranulat, also Mikroplastik, ausgetragen und nur geringe Mengen an Gummigranulat über die Lebensdauer hinweg nachgefüllt. Eine Nachfüllmenge von vier Tonnen pro Jahr würde den Haushalt einer Kommune mit circa 7.200.- € pro Jahr und Platz belasten. Es ist davon auszugehen, dass die Belastung der Umwelt mit Mikroplastik mindestens um den Faktor 10 niedriger liegt als vom Fraunhofer Institut behauptet.

Die verfüllten Mengen Gummigranulat haben bei Neubauvorhaben und Ersatzinvestitionen von Kunstrasen in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen. Dies ist einerseits auf die Verwendung von texturierten Fasern und die Weiterentwicklung der Einfüllgranulate zurückzuführen. Texturierte Rasensysteme oder kombinierte Systeme wie sie schon seit Jahren in Deutschland angeboten und installiert wurden, halten die Gummigranulate noch besser zurück und vermeiden so einen Austrag in die Umwelt.

Die Behauptung, dass der Kunstrasen der dritt- oder fünftgrößte Verursacher, je nach Lesart des Fraunhofer Insitut Umsicht, von Mikroplastik in der Umwelt sein soll, ist somit schlichtweg falsch. Die Gütegemeinschaft weist darauf hin, dass die der Metastudie von Fraunhofer zu Mikroplastik zugrunde liegenden Zahlen über Einfüllmengen für die Kunstrasen in Deutschland keine Gültigkeit haben. Die daraus abgeleiteten Verlustmengen durch Verwehungen sind folglich ebenfalls falsch und können so nicht nachgewiesen werden.

Hier nochmals die Faktenlage wie sie sich der Gütegemeinschaft darstellt:

  • Die Kunstrasensysteme in Deutschland werden zu über 95% nach DIN 18035-7 und DIN EN 15330-1 projektiert und installiert.
  • Durch die Verwendung einer elastischen Schicht werden in Deutschland im internationalen Vergleich die geringsten Einfüllmengen an Gummigranulat in die Kunstrasensysteme verfüllt (ca. 35 Tonnen). Das sind nur 30% der bei üblicher Bauweise verbauten Gummigranulate (ca. 110 Tonnen).
  • Moderne Fasertechnologien (wie texturierte Fasern) und Neuentwicklungen bei den Gummigranulaten sorgen dafür, dass kaum Austrag aus dem Kunstrasen stattfindet und ein Austrag durch Verwehungen aus dem Rasen ausgeschlossen werden kann.
  • Die Gummigranulate, die mehrheitlich in Deutschland eingestreut werden, erfüllen alle Richtlinien der europäischen (REACH) und nationalen Gesetzgebung (Bundesbodenschutzverordnung) und stellen keine Gefahr für die Sportler und Umwelt dar.
  • Die Austragsmengen, die sich durch Befragungen der Kunden und unserer Mitglieder ergeben haben liegen bei etwa einem Zehntel der von Fraunhofer errechneten Zahl für die Verursachung von Mikroplastik (ca. 13 g/Kopf und Jahr).
  • In der Rangfolge wäre der Kunstrasen damit nach der Studie des Fraunhofer Instituts Umsicht im Bereich von Mikroplastikaufkommen von Platz 17 – „Inhalt von Kosmetik“ und Platz 19 – „Abrieb von Rohrleitungen“.

Vor dem Hintergrund dieser Faktenlage seitens Fraunhofer und in der Presse von Kunstrasen als einem der größten Verschmutzer der Umwelt durch Mikroplastik zu sprechen, ist in unseren Augen gegenüber den Sportlern und den Kommunen, die diese Kunstrasen mit großem Erfolg und bisher hoher Akzeptanz für die tägliche Sportausübung der Bevölkerung bereit stellen, bewusst irreführend und unverantwortlich.

Diese Fakten und die daraus abgeleiteten Argumente für die Beibehaltung von Kunstrasen der dritten Generation werden wir auch in Richtung ECHA als Beitrag zu der ergebnisoffenen Befragung zu einem möglichen Verbot von Mikroplastik in Europa vortragen. RAL Gütegemeinschaft

Berlin, den 29.06.2019

Zurück zu allen news

Ja, ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen und bin damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten elektronisch erhoben und gespeichert werden. Meine Daten werden dabei nur streng zweckgebunden zur Bearbeitung und Beantwortung meiner Anfrage benutzt. Mit dem Absenden des Kontaktformulars erkläre ich mich mit der Verarbeitung einverstanden.

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies.
Weitere Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung – dort können Sie die Verwendung von Cookies auch ablehnen.

Ich stimme der Verwendung von Cookies zu